Miteinander Visionen umsetzen

In Betzigau zeigt sich, was gelebte Demokratie wirklich bedeutet und was aus einem aktiven Miteinander alles entstehen kann.

Vom Betzigauer Aussichtspunkt, der Hohen Schulter, hat man einen fantastischen Rundblick auf die östlich von Kempten gelegene Gemeinde mit all ihren umliegenden Dörfern, verstreuten Weilern und Einöden. Der Ort mit circa 3.000 Einwohnern liegt nicht nur verkehrsgünstig am Knotenpunkt von A7 und B12, er ist auch ein Paradies für Wanderer und Radfahrer. Der Kempter Wald mit seinen zahlreichen Pfaden ist bei Einheimischen und Touristen ebenso beliebt wie der idyllisch gelegene Notzenweiher. Gemütliche Gaststätten laden zum Verweilen ein und wer länger bleiben möchte, findet eine große Auswahl an Ferienwohnungen und liebevoll geführten Unterkünften oder verbringt ein paar Nächte im Baumhaushotel Allgäu.

Mitmachen

Wenn man den kleinen Besprechungsraum im Betzigauer Rathaus betritt, bleibt der Blick direkt an einem großen Kunstwerk hängen, einer Art Karte der Oberallgäuer Gemeinde, bestehend aus vielen einzelnen, bunt bemalten Quadraten. Entstanden ist es bei „Kunst am Bach“, dem Kunst- und Kulturfestival, das alle drei Jahre in Betzigau stattfindet und den Ort in eine große Open-Air-Event-Bühne verwandelt. Katharina Zinnecker hatte die Idee zum „Mitmachwerk“ und viele Menschen haben die Chance genutzt, selbst einmal Kunstschaffende zu sein und Quadrate gestaltet. Kunstwerke vergangener Veranstaltungen können bei einem Spaziergang am Weg entlang des Baches entdeckt werden.

Mitgestalten

Mitgestaltung und ein lebendiges Miteinander werden in Betzigau ohnehin großgeschrieben. Gelebte Demokratie nennt sich das. Betzigaus Erste Bürgermeisterin, Regina Lässer-Dorn, ist davon überzeugt, dass Kommunikation das Wichtigste überhaupt ist und man miteinander viel mehr erreichen kann. „Zum Glück gibt es dieses Miteinander auf kommunaler Ebene“, freut sich die junge Bürgermeisterin, der es ein Anliegen ist, kommunale Gremien so zu verändern, dass sie ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sind. „Gerade junge Menschen, Frauen und vor allem Mütter sind immer noch deutlich unterrepräsentiert.“

Miteinander

Seit ihrem Amtsantritt im Mai 2025 hat Lässer-Dorn schon einige Projekte voran und zum Abschluss gebracht. Dazu zählen die Sanierung der Trinkwasserquelle in Dodels und der Bau eines Regenrückhaltebeckens zum Schutz vor Hochwasser. Seit mehreren Jahren laufen die Planungen für das neue Dorfgemeinschaftshaus in Hochgreut, das ein Haus der Vereine werden soll. „Im November ist Spatenstich“, freut sich Lässer-Dorn und zeigt dann auf die Planungsskizzen für ein weiteres, millionenschweres Großprojekt: In der Raiffeisenstraße, mitten in Betzigau, entstehen insgesamt 18 Wohnungen – für alle Generationen, barrierefrei. „Es handelt sich um kommunalen Wohnungsbau, nicht zu verwechseln mit sozialem Wohnungsbau“, erläutert Bürgermeisterin Lässer-Dorn das Bauvorhaben, bei dem die Gemeinde die Wohnungen vermietet und dadurch für einen fairen und stabilen Mietpreis sorgen kann.

Mittendrin

Ein weiteres Grundstück mitten im Ort beschäftigt die Betzigauer gerade ebenfalls. Auf dem Gelände der ehemaligen „Alten Schmiede“ soll etwas Neues entstehen, ein zentraler Anlaufpunkt. Erste Ideen wurden bereits bei einer öffentlichen Veranstaltung zusammengetragen. Bis Ende Oktober haben die Bürgerinnen und Bürger Zeit, ihre Vorschläge für die Gestaltung und Nutzung der Fläche einzubringen, die dann einem erfahrenen Planer vorgelegt werden. Anfang Dezember findet ein weiteres Treffen statt, bei dem erste Skizzen vorgelegt werden sollen. „Ich möchte eine Bürgermeisterin für alle sein“, erklärt Lässer-Dorn. „Für mich ist es selbstverständlich, alle Gemeindemitglieder parteiübergreifend mit einzubeziehen.“ Immer wieder sucht sie das Gespräch und will Lösungen finden, die Betzigau nicht nur für die Bewohner attraktiv macht, sondern ebenso für Gewerbetreibende und Touristen. Die „Alte Schmiede“ soll zu einer neuen Mitte werden, einem Treffpunkt für Jung und Alt, an dem man sich untereinander austauschen und ins Gespräch kommen kann. Wer weiß, welche Ideen und Visionen dann entstehen, die in Betzigau anschließend „mitanand“ umgesetzt werden.

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