Der Arbeitsmarkt im Allgäu zeigt sich weiterhin erstaunlich robust. Zwar bleibt die wirtschaftliche Lage aufgrund internationaler Krisen und anhaltender Unsicherheiten angespannt, dennoch bestehen für Unternehmen weiterhin gute Möglichkeiten, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen. Die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen zeigen deutlich: Der regionale Arbeitsmarkt verfügt nach wie vor über eine hohe Dynamik und bietet Arbeitgebern zahlreiche Chancen.
Arbeitslosenquote sinkt wieder auf 3 Prozent
Nach Angaben der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen waren im Mai 2026 insgesamt 12.153 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 411 Personen weniger als im April, wodurch die Arbeitslosenquote wieder auf 3,0 Prozent sank. Damit bewegt sie sich exakt auf dem Niveau des Vorjahres.
Der saisonale Frühjahrsaufschwung, der im April kurzzeitig ins Stocken geraten war, setzte sich damit im Mai wieder fort. Gleichzeitig macht die Agentur deutlich, dass dieser Rückgang vor allem saisonale Ursachen hat. Ein nachhaltiger wirtschaftlicher Aufschwung ist derzeit noch nicht erkennbar.
Wirtschaftliche Unsicherheit bleibt eine Herausforderung
Wie die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen berichtet, belasten insbesondere die geopolitischen Entwicklungen und die gestiegenen Energiepreise viele Unternehmen in der Region. Hinzu kommt die aktuelle Ölkrise, die zahlreiche Betriebe verunsichert.
Agenturleiterin Maria Amtmann betont jedoch zugleich, dass der Arbeitsmarkt weiterhin aufnahmefähig bleibt. Die steigende Zahl offener Stellen zeige, dass Unternehmen trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten weiterhin Personal suchen und einstellen.
Gerade die breite Branchenvielfalt im Allgäu sorgt dafür, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiterhin gute Chancen auf einen Arbeitsplatz haben – vorausgesetzt, sie zeigen Flexibilität bei Arbeitsort und Tätigkeitsfeld.
Mehr offene Stellen als im Vorjahr
Für Arbeitgeber besonders interessant ist die Entwicklung der offenen Stellen. Nach Angaben der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen wurden im Mai 1.409 neue Stellen gemeldet. Das sind 133 mehr als im April und 113 mehr als im Mai 2025.
Insgesamt befanden sich 6.579 offene Stellen im Bestand der Arbeitsagentur. Auch dieser Wert liegt sowohl über dem Vormonat als auch über dem Vorjahresniveau.
Die größte Nachfrage besteht derzeit unter anderem in folgenden Bereichen:
- Verarbeitendes Gewerbe
- Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
- Handel
- Baugewerbe
- Gesundheits- und Sozialwesen
- Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen
Diese Entwicklung zeigt deutlich: Der Fachkräftebedarf im Allgäu bleibt hoch.
Recruiting bleibt Wettbewerbsfaktor
Für Unternehmen bedeutet diese Situation vor allem eines: Gute Bewerberinnen und Bewerber können häufig zwischen mehreren Arbeitgebern wählen.
Deshalb reicht es längst nicht mehr aus, lediglich eine Stellenanzeige zu veröffentlichen. Sichtbarkeit, Arbeitgeberimage und eine überzeugende Kommunikation gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Wer heute qualifizierte Fachkräfte erreichen möchte, sollte verschiedene Kanäle nutzen, die eigene Arbeitgebermarke stärken und potenziellen Bewerbenden frühzeitig zeigen, was das Unternehmen auszeichnet.
Unterschiede zwischen den Berufsgruppen
Die Zahlen der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen zeigen außerdem interessante Entwicklungen innerhalb einzelner Berufsgruppen.
Im Vergleich zum Vormonat sank die Arbeitslosigkeit besonders in den Bereichen:
- Verkehr und Logistik
- Lebensmittel und Gastgewerbe
- Unternehmensführung und Organisation
Bei den offenen Stellen legten insbesondere folgende Berufsfelder zu:
- Fertigungsberufe
- Verkehrs- und Logistikberufe
- Handelsberufe
Rückgänge bei den gemeldeten Stellen verzeichneten dagegen vor allem IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungen sowie unternehmensbezogene Dienstleistungen.
Für Arbeitgeber lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den jeweiligen regionalen Arbeitsmarkt ihrer Branche.
Kurzarbeit nimmt wieder Fahrt auf
Ein weiteres wichtiges Signal liefert die Entwicklung beim Kurzarbeitergeld.
Wie die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen berichtet, wurden im April 2026 von 62 Betrieben Anzeigen für 1.203 Beschäftigte eingereicht. Gegenüber dem Vormonat entspricht dies einem deutlichen Anstieg.
Viele Unternehmen informieren sich aktuell über die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld. Ob diese Anzeigen tatsächlich zu realisierter Kurzarbeit führen, bleibt jedoch abzuwarten. Die Agentur weist ausdrücklich darauf hin, dass gestiegene Energiepreise allein in der Regel keine Bewilligung von Kurzarbeitergeld rechtfertigen.
Ausbildungsmarkt bleibt ein Lichtblick
Besonders erfreulich entwickelt sich weiterhin der Ausbildungsmarkt im Allgäu.
Bis Mai 2026 meldeten die Unternehmen im Bezirk der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen mehr als 5.100 Ausbildungsplätze. Das sind rund 90 Stellen mehr als im Vorjahr.
Gleichzeitig stieg auch die Zahl der Ausbildungssuchenden auf etwa 2.750 junge Menschen.
Dennoch bleiben derzeit rund 2.580 Ausbildungsplätze unbesetzt, während lediglich etwa 1.300 Jugendliche noch einen Ausbildungsplatz suchen.
Damit kommen aktuell rund zwei offene Ausbildungsstellen auf jede suchende Person.
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass engagierte Ausbildungsbetriebe weiterhin sehr gute Chancen haben, Nachwuchskräfte zu gewinnen.
Speed-Datings bringen Unternehmen und Nachwuchs zusammen
Um Jugendliche ohne Ausbildungsplatz gezielt zu unterstützen, organisiert die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen gemeinsam mit Berufsschulen sogenannte Ausbildungsspeed-Datings.
Dabei treffen Unternehmen direkt auf Schülerinnen und Schüler aus Berufsintegrations- und Berufsvorbereitungsklassen. Laut Agentur fallen die Rückmeldungen der teilnehmenden Unternehmen sehr positiv aus. Viele Betriebe berichten von großem Interesse an den Jugendlichen und erfolgreichen Vermittlungen.
Gerade für Unternehmen, die dringend Auszubildende suchen, können solche Formate eine wertvolle Ergänzung zum klassischen Recruiting sein.
Regionale Unterschiede im Allgäu
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes fällt innerhalb des Agenturbezirks unterschiedlich aus.
Im Mai sank die Arbeitslosenquote unter anderem in:
- Kempten
- Kaufbeuren
- Memmingen
- Oberallgäu
- Lindau
Im Ostallgäu und Unterallgäu blieb sie dagegen unverändert.
Die niedrigste Arbeitslosenquote weist weiterhin das Unterallgäu mit 2,4 Prozent auf. Die höchsten Werte verzeichnen die Städte Kempten und Kaufbeuren mit jeweils 4,2 Prozent.
Für Arbeitgeber bedeutet dies, dass sich Recruiting-Strategien regional unterscheiden sollten. Während in einigen Regionen der Wettbewerb um Fachkräfte besonders intensiv ist, bestehen andernorts größere Potenziale.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen zeigen ein klares Bild: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt der Arbeitsmarkt im Allgäu stabil und bietet Unternehmen weiterhin gute Möglichkeiten, Personal zu gewinnen.
Wer jetzt erfolgreich rekrutieren möchte, sollte:
- seine Arbeitgebermarke aktiv stärken,
- offene Stellen möglichst sichtbar platzieren,
- verschiedene Recruiting-Kanäle kombinieren,
- Ausbildung als langfristige Investition verstehen,
- flexibel auf Veränderungen des Arbeitsmarktes reagieren.
Gerade in einem Umfeld mit hoher Fachkräftenachfrage entscheidet häufig nicht mehr ausschließlich das Gehalt über den Erfolg einer Stellenbesetzung, sondern das Gesamtpaket aus Unternehmenskultur, Entwicklungsmöglichkeiten und Sichtbarkeit.
Fazit
Die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung macht deutlich, dass sich das Allgäu weiterhin als vergleichsweise stabiler Wirtschaftsstandort behauptet. Die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen sieht zwar weiterhin wirtschaftliche Herausforderungen durch geopolitische Krisen und steigende Energiepreise, gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch und die Zahl offener Stellen steigt.
Für Unternehmen ist dies der richtige Zeitpunkt, die eigene Arbeitgeberattraktivität weiter auszubauen und sich frühzeitig als moderner Arbeitgeber zu positionieren. Denn wer heute sichtbar ist, gewinnt morgen die Fachkräfte, die über den zukünftigen Unternehmenserfolg entscheiden.
Auch das digitale Allgäuer Wirtschaftsmagazin unterstützt Unternehmen dabei, ihre Sichtbarkeit in der Region zu erhöhen, ihre Arbeitgebermarke zu stärken und qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. Gerade in einem wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt kann eine starke regionale Präsenz den entscheidenden Unterschied machen.






