Für die Ewigkeit in Stein gemeißelt

Natursteinarbeiten der Hermann Rudolph Steinmetz GmbH aus Obergünzburg

Steinmetzkunst neu gedacht – Handwerk mit Herz, Verstand und Geschichte bei Hermann Rudolph.

„Naturstein ist das älteste und nachhaltigste Baumaterial. Wir haben leider vielfach verlernt, damit zu bauen.“– Hermann Rudolph, Geschäftsleitung

Nachhaltiger Baustoff

Steinmetz-Familie Rudolph ist begeistert von dem Naturmaterial und dessen vielseitiger Verwendung. Als Herkünfte verwendet der Allgäuer Betrieb fast ausschließlich europäischen Stein. „Rund drei Viertel unseres Natursteins stammt aus Bayern“, betont Hermann Rudolph. Granit etwa aus Epprechtstein bei Wunsiedel, Muschelkalk aus der Region Würzburg, Wachenzeller Dolomit vom Altmühltal oder Schwarzachtobler Sandstein aus dem nahen Bregenzerwald.

„Naturstein muss nicht erst energieintensiv hergestellt werden, wie etwa Beton“, verdeutlicht Hermann Rudolph. „Das hat die Natur bereits übernommen. Werden regionale Natursteine verwendet, betragen die Emissionen beim Bau nur einen Bruchteil dessen von Beton.“

„Leider haben wir als Gesellschaft heute vielfach verlernt, Naturstein als Baumaterial einzusetzen“, bedauert Andreas Rudolph. Gemeinsam mit seinem Vater Hermann führt er den Steinmetz-Betrieb Hermann Rudolph in Obergünzburg in der 6. Generation als Familienunternehmen.

Die Bandbreite der Naturstein-Bearbeitungen reicht von der Innenausstattung wie Badezimmer oder Küchenausstattung über Außengestaltungen, Steinobjekte und Grabmale bis hin zu künstlerischen Gestaltungen und der Teilnahme an entsprechenden Wettbewerben.

Die Bearbeitung von Steinen ist eines der ältesten Handwerke überhaupt – bereits in der Steinzeit wurden Werkzeuge, Reliefs und Monumente aus Naturstein geschaffen. Später errichteten großartige Baumeister über Jahrhunderte hinweg monumentale, tragfähige Bauten aus Stein: Die Porta Nigra in Trier entstand um 170 n. Chr. als Teil der römischen Stadtbefestigung, die Steinerne Brücke in Regensburg wurde 1146 fertiggestellt und hat unzähligen Donau-Hochwassern widerstanden.

Seit einigen Jahren erfährt das Bauen mit Naturstein eine Renaissance – das natürliche Baumaterial verursacht kaum Treibhausgasemissionen.

„Bei uns lernen Azubis noch, Schriften mit Pinsel und Meißel zu gestalten. Das ist eine fast meditative Arbeit.“– Andreas Rudolph

Handwerklich solide Ausbildung

Als Handwerksbetrieb in 6. Generation, gegründet 1872, legt die Familie großen Wert auf gute Ausbildung. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Werkstatt haben bei Rudolph gelernt, ein oder zwei Auszubildende sind immer im Betrieb.

„Auch junge Frauen begeistern sich für unser Handwerk“, berichtet Andreas Rudolph. Präzise Zuschnitte, etwa zur Herstellung von Fensterbänken, Arbeitsplatten oder Treppenstufen, erfolgen lastengeführt über stationäre Brückensägen mit Diamantblatt.

Um ergonomisch und ermüdungsfrei zu arbeiten, kommen zudem Druckluft-Varianten von Meißel, Hammer, Schrifteisen oder elektrische Schleifer und Polierer zum Einsatz. „Unser Nachwuchs lernt hier aber auch noch das freie Entwerfen einer Inschrift und Gravieren im Stein“, erklärt Hermann Rudolph.

„Früher gab es dafür speziell ausgebildete Schriftgestalter. Wenn heute auf vorhandenen Grabmalen Nachbeschriftungen auszuführen sind, muss der ausführende Schriftgraveur die Qualität von damals ins Heute übertragen können, was ohne eine gezielte Ausbildung nicht möglich ist.“

Langlebigkeit durch Upcycling

Naturstein gilt heute als nachhaltiges Material, das sich ausgezeichnet für die Mehrfach-Nutzung und zirkuläres Bauen eignet. „Auch bei uns nimmt das Thema an Bedeutung zu“, erklärt Andreas Rudolph.

„Zum Beispiel bereiten wir gerade einige ausgediente Familiengrabmale sorgfältig neu auf – sei es für neue Grabmale, als Bauelemente oder für künstlerische Projekte.“

Auch im Außenbereich bietet sich die Wiederverwendung von Granit an, etwa für Pflasterungen, Mauern oder Sitzsteine. Die ökologische Nachhaltigkeit des Materials verbindet sich so mit kultureller Wertschätzung: Der Stein trägt seine ursprüngliche Geschichte in sich und bekommt ein zweites Leben.

Räume mit Naturstein gestalten

Im Innenausbau verleiht Naturstein Räumen eine unverwechselbare Atmosphäre, geprägt von Ursprünglichkeit und Wertigkeit. Ob als großformatige Verkleidung in Badezimmern oder in Küchen als Arbeitsplatte, Küchenrückwand oder Schrankverkleidung – Naturstein verbindet authentische Optik mit hoher Funktionalität.

Seine natürliche Struktur und Musterung machen jedes Stück einzigartig. Zudem besitzt Naturstein die Fähigkeit, Wärme zu speichern und sorgt damit für ein angenehmes Wohnklima.

Mehr noch: Naturstein wird inzwischen auch als Tragbauwerk eingesetzt – in Rückbesinnung auf die Baukunst alter Baumeister und langjähriger Familientraditionen.

Sigrid Leger

BILDER: HERMANN RUDOLPH STEINMETZ GMBH

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