Die betriebliche Willkommenskultur als entscheidender Faktor für ein Kommen – und ein Bleiben.
Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für Unternehmen im Allgäu. Eine aktuelle Unternehmensbefragung im Rahmen einer Studie der Allgäu GmbH zeigt: Nahezu alle Betriebe (88 Prozent) sind betroffen. Die Lösung liegt nicht nur in der Akquise, sondern in einer strategischen Willkommenskultur.
Willkommenskultur als Schlüssel zur Fachkräftesicherung

Um auf diesen Erkenntnissen aufzubauen, wurde eine umfassende Studie zur Ermittlung bestehender Angebote und Bedarfe durch die Allgäu GmbH durchgeführt. Im Zentrum stand eine qualitative und quantitative Bestandsaufnahme, ergänzt durch Expert:innen-Interviews und eine Arbeitgeberbefragung.
Ziel des Projekts ist es, Zugezogene aus dem In- und Ausland nicht nur für das Allgäu zu gewinnen, sondern sie langfristig zu binden. In enger Zusammenarbeit mit Fachakteur:innen und Arbeitgebenden wurden bestehende Angebote analysiert, Bedarfe identifiziert und konkrete Maßnahmen abgeleitet.
Ergebnisse der Befragung belegen den Handlungsdruck: 62 Prozent der Betriebe klagen über zu wenige Bewerbungen, 49 Prozent über mangelnde Qualifikationen. Doch die Studie zeigt auch, dass strukturelle Hürden bei der Integration oft verhindern, dass neue Mitarbeitende wirklich Wurzeln schlagen.
Gerade in Bezug auf internationale Fachkräfte zeigen sich häufig Unsicherheiten – auf beiden Seiten. Vor diesem Hintergrund rückt ein Thema stärker in den Fokus: die gelebte Willkommenskultur für Fach- und Arbeitskräfte. Fast 80 Prozent der befragten Unternehmen bewerten sie als essenziell für eine erfolgreiche Integration, gleichermaßen für internationale Fachkräfte ebenso wie für Zuziehende aus anderen Bundesländern oder Rückkehrende.
Status quo
Die Analyse zeigt ein differenziertes Bild: Das Allgäu verfügt bereits über zahlreiche engagierte Akteur:innen und Angebote – von Sprachkursen bis zur Integrationsberatung. Doch diese konzentrieren sich bisher stark auf Geflüchtete oder internationale Fachkräfte.
Für Zuziehende aus dem Inland oder Rückkehrende gibt es kaum zielgerichtete Maßnahmen. Zudem ist der Zugang oft nicht niedrigschwellig: Informationen sind verstreut und selten digital oder mehrsprachig verfügbar.
In den Betrieben ist das Engagement groß, aber kaum systematisiert. Integration funktioniert meist über individuelle Hilfe von Kolleg:innen – etwa bei der Wohnungssuche. Formalisierte Onboarding-Prozesse, interkulturelle Schulungen oder strukturelle Ansprechpersonen sind jedoch selten.
Trotz der hohen Einschätzung der Wichtigkeit von gelebter Willkommenskultur setzen bisher nur wenige Unternehmen gezielte Maßnahmen um. Fehlende Orientierung in der Angebotslandschaft bleibt ein zentrales Hemmnis. Viele Betriebe wünschen sich daher mehr Unterstützung durch zentrale Anlaufstellen und digitale Informationsangebote auf regionaler Ebene.
Zentrale Handlungsfelder
1. Zentrale Willkommens-Plattform für das Allgäu
- Bündelung aller wichtigen Informationen für Fachkräfte und Familien
- Themen: Arbeiten, Wohnen, Freizeit, Sprache, Orientierung im Alltag und Behördengänge
- Digitale und leicht zugängliche Informationsplattform
2. Vernetzungsformate für Unternehmen und Institutionen
- Netzwerktreffen und Praxisdialoge
- Austausch zwischen Unternehmen, Verwaltung, Bildung und Zivilgesellschaft
- Gemeinsame Entwicklung neuer Lösungen und Nutzung von Synergien
3. Praxisleitfaden für Unternehmen
- Checklisten, Vorlagen und Praxisbeispiele aus der Region
- Hilfestellungen für Onboarding-Prozesse
- Unterstützung bei Wohnraumsuche und Ansprache internationaler Fachkräfte
- Tipps für interne Kommunikation und Integration
Willkommenskultur sichtbar machen
Willkommenskultur bedeutet, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich neue Mitarbeitende dauerhaft wohlfühlen können. Deshalb steht auch die Förderung von Offenheit und sozialer Integration als Querschnittsthema im Mittelpunkt.
In Betrieben kann dies beispielsweise durch interkulturelle Teamschulungen, Tandem-Programme oder „Welcome Days“ sichtbar werden.
Fazit: Regionale Willkommenskultur braucht Sichtbarkeit, Struktur und Zusammenarbeit
Die Bestandsaufnahme zeigt: Das Allgäu verfügt über viele engagierte Menschen, gute Ansätze und Potenzial. Doch oft fehlt die Sichtbarkeit, Abstimmung und strategische Ausrichtung.
Die zu entwickelnden Maßnahmen zielen darauf ab, bestehende Angebote zu vernetzen, Lücken zu schließen und Willkommenskultur als Teil der Fachkräftesicherung zu verankern. Dabei setzt die Allgäu GmbH in der Umsetzung auf eine Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren und Arbeitgebenden.
Info
Diese Bestandsaufnahme ist Teil des Projekts „Fachkräftesicherung“ der Allgäu GmbH.
Die Studie wurde im Rahmen des Regionalmanagements durchgeführt und durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.
Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Region Allgäu nachhaltig zu stärken und Betriebe bei der Gewinnung und Bindung qualifizierter Mitarbeitender aktiv zu unterstützen.
Weitere Informationen und vollständiger Bericht:
https://b2b.allgaeu.de/service/arbeitgeber/fachkraeftestudie
Kurz zusammengefasst
Die Studie der Allgäu GmbH zeigt deutlich: Erfolgreiche Fachkräftesicherung beginnt nicht erst bei der Rekrutierung, sondern bei einer gelebten Willkommenskultur. Zentrale Informationsangebote, stärkere Vernetzung und praxisnahe Hilfestellungen sollen künftig dazu beitragen, Fachkräfte langfristig im Allgäu zu halten.
Nützliche Links
- Allgäu GmbH
- Fachkräftestudie der Allgäu GmbH
- Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie
Autor: nicht angegeben
Bildnachweis: Allgäu GmbH, Dominik Berchtold, Philip Herzhoff
FAQ zur Willkommenskultur im Allgäu
Warum ist Willkommenskultur für Unternehmen wichtig?
Sie verbessert die Integration neuer Mitarbeitender und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Fachkräfte langfristig in der Region bleiben.
Welche Herausforderungen zeigt die Studie?
Zu wenige Bewerbungen, Fachkräftemangel, fehlende Orientierung bei Angeboten sowie unzureichend strukturierte Integrationsmaßnahmen.
Welche Maßnahmen werden empfohlen?
Eine zentrale Willkommens-Plattform, stärkere Vernetzung regionaler Akteure sowie ein digitaler Praxisleitfaden für Unternehmen.
Wer hat die Studie durchgeführt?
Die Allgäu GmbH im Rahmen des Projekts „Fachkräftesicherung“.
Welches Ziel verfolgt das Projekt?
Die nachhaltige Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte für die Region Allgäu.






