Der Arbeitsmarkt im Allgäu verändert sich. Für viele Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, offene Stellen mit passenden Fachkräften aus der Region zu besetzen. Besonders dort, wo qualifizierte Mitarbeiter dringend benötigt werden, reicht es deshalb längst nicht mehr aus, ausschließlich auf Bewerberinnen und Bewerber aus dem direkten regionalen Umfeld zu setzen.
Der Blick richtet sich zunehmend über die Grenzen der Region und Deutschlands hinaus. Internationale Fachkräfte können für Unternehmen im Allgäu eine wichtige Säule der Personalgewinnung werden.
Doch damit ist es nicht getan. Wer Mitarbeiter aus dem Ausland gewinnen möchte, muss auch dafür sorgen, dass diese sich im Unternehmen und in der Region willkommen fühlen. Genau deshalb verschiebt sich der Fokus der Personalabteilungen: weg von der reinen Stellenbesetzung und hin zu einer strategischen Integration internationaler Fachkräfte.
Veranstaltungen wie der Fachkräftekongress Allgäu am 9. November in Kempten zeigen, wie relevant dieses Thema inzwischen für die regionale Wirtschaft ist. Eine gelebte Willkommenskultur wird dabei zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil moderner Arbeitgeberstrategien.
Der Fachkräftemangel verändert das Recruiting im Allgäu
Für Unternehmen im Allgäu ist die Situation deutlich: Qualifizierte Arbeitskräfte sind gefragt. Gleichzeitig stehen viele Betriebe vor der Herausforderung, offene Stellen möglichst schnell und dauerhaft zu besetzen.
Die klassische Stellenanzeige mit anschließender Bewerbung reicht dabei immer seltener aus. Arbeitgeber müssen stärker darüber nachdenken, wo sie potenzielle Mitarbeiter erreichen und was diese von einem attraktiven Arbeitsplatz erwarten.
Internationale Fachkräfte erweitern den Kreis potenzieller Bewerber. Allerdings verändert sich dadurch auch der Recruiting-Prozess.
Denn eine erfolgreiche Personalgewinnung endet nicht mit der Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag.
Gerade bei internationalen Mitarbeitern kommen zusätzliche Fragen hinzu:
- Wie gelingt der Start im Unternehmen?
- Wie funktioniert die Kommunikation im Arbeitsalltag?
- Wer unterstützt bei organisatorischen Fragen?
- Wie findet die neue Mitarbeiterin oder der neue Mitarbeiter Anschluss?
- Wie lässt sich die Familie einbeziehen?
- Welche Unterstützung wird bei Behördengängen oder der Wohnungssuche benötigt?
- Wie kann aus einem Arbeitsplatz langfristig ein Lebensmittelpunkt werden?
Unternehmen, die diese Fragen frühzeitig berücksichtigen, schaffen bessere Voraussetzungen für eine langfristige Zusammenarbeit.
Internationale Fachkräfte gewinnen: Recruiting allein reicht nicht
Die Gewinnung internationaler Fachkräfte beginnt selbstverständlich mit einer passenden Stelle und einem professionellen Recruiting. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihre Arbeitgebermarke stärker darauf ausrichten, auch Menschen anzusprechen, die mit dem Allgäu bislang wenig oder gar keine Berührungspunkte hatten.
Was für Bewerber aus Kempten, Kaufbeuren oder dem Oberallgäu selbstverständlich sein kann, ist für eine Fachkraft aus einem anderen Land möglicherweise völlig neu.
Deshalb sollten Unternehmen nicht nur ihre Aufgaben und Anforderungen kommunizieren. Auch das Umfeld spielt eine Rolle.
Warum lohnt es sich, im Allgäu zu arbeiten und zu leben?
Für internationale Bewerber können beispielsweise folgende Aspekte interessant sein:
- Lebensqualität und Natur
- attraktive Städte und Gemeinden
- gute Freizeitmöglichkeiten
- sichere und familienfreundliche Strukturen
- interessante Arbeitgeber
- berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
- gute Verkehrsanbindung
- Nähe zu Österreich und der Schweiz
Gerade regionale Arbeitgeber haben hier einen Vorteil: Sie können mit der Verbindung aus beruflichen Perspektiven und hoher Lebensqualität punkten.
Allerdings müssen diese Vorteile auch sichtbar werden.
Eine gute Willkommenskultur beginnt vor dem ersten Arbeitstag
Willkommenskultur wird häufig mit einem freundlichen Empfang am ersten Arbeitstag verbunden. Für eine erfolgreiche Integration beginnt sie jedoch deutlich früher.
Bereits während des Bewerbungsprozesses können Unternehmen zeigen, wie ernst sie das Thema nehmen.
Klare Kommunikation ist dabei besonders wichtig. Wenn Sprachkenntnisse, Arbeitszeiten, Aufgaben und Erwartungen verständlich vermittelt werden, entstehen weniger Missverständnisse.
Auch praktische Informationen können helfen. Dazu gehören beispielsweise Hinweise zum Arbeitsort, zur Anreise, zu Ansprechpartnern oder zum Ablauf der ersten Arbeitstage.
Besonders hilfreich kann außerdem eine feste Kontaktperson sein. Ein Ansprechpartner, an den sich neue internationale Mitarbeiter mit Fragen wenden können, schafft Sicherheit und erleichtert die Orientierung.
Integration ist mehr als Einarbeitung
Eine gute Einarbeitung ist für jeden neuen Mitarbeiter wichtig. Bei internationalen Fachkräften kommen jedoch weitere Dimensionen hinzu.
Neben den fachlichen Abläufen müssen möglicherweise auch kulturelle Unterschiede, sprachliche Besonderheiten und organisatorische Fragen berücksichtigt werden.
Das bedeutet nicht, dass Unternehmen sämtliche Herausforderungen für ihre Mitarbeiter lösen müssen. Es geht vielmehr darum, Strukturen zu schaffen, die den Einstieg erleichtern.
Ein einfaches Beispiel ist ein strukturierter Einarbeitungsplan.
Statt neue Mitarbeiter mit einer Vielzahl von Informationen zu überfordern, können Unternehmen festlegen:
In der ersten Woche:
Kennenlernen des Teams, Arbeitsplatz, wichtige Abläufe und Ansprechpartner.
Im ersten Monat:
Vertiefung der Aufgaben, regelmäßige Feedbackgespräche und Klärung offener Fragen.
Nach den ersten drei Monaten:
Gemeinsame Zwischenbilanz, Entwicklungsperspektiven und mögliche weitere Unterstützung.
Gerade regelmäßige Gespräche sind wichtig. Denn nicht jede Herausforderung wird automatisch angesprochen.
Sprache als Schlüssel für Integration
Deutschkenntnisse spielen im Arbeitsalltag eine wichtige Rolle. Gleichzeitig sollten Unternehmen realistisch einschätzen, auf welchem Sprachniveau internationale Fachkräfte starten.
Ein fehlendes perfektes Deutsch bedeutet nicht automatisch fehlende fachliche Kompetenz.
Unternehmen können daher prüfen, welche sprachlichen Anforderungen für eine konkrete Tätigkeit tatsächlich notwendig sind und an welchen Stellen Unterstützung möglich ist.
Hilfreich können beispielsweise sein:
- Sprachkurse
- verständliche Arbeitsanweisungen
- feste Ansprechpartner
- zweisprachige Informationen bei wichtigen Abläufen
- geduldige Kommunikation während der Einarbeitung
- ein kollegiales Umfeld, in dem Fragen ausdrücklich erwünscht sind
Dabei profitieren nicht nur internationale Mitarbeiter. Auch bestehende Teams lernen häufig, Kommunikation klarer und strukturierter zu gestalten.
Die bestehende Belegschaft muss mitgenommen werden
Internationale Fachkräfte erfolgreich zu integrieren, ist keine Aufgabe, die allein bei der Personalabteilung liegt.
Auch Führungskräfte und bestehende Teams spielen eine entscheidende Rolle.
Deshalb sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter frühzeitig einbeziehen. Wenn neue Kollegen aus dem Ausland eingestellt werden, können kurze Informationen zu Hintergründen, Erwartungen und möglichen kulturellen Unterschieden helfen.
Dabei sollte Integration nicht als Sonderbehandlung verstanden werden.
Vielmehr geht es darum, gleiche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu schaffen.
Ein Team, das neue Kollegen offen aufnimmt, Fragen zulässt und Unterstützung anbietet, kann wesentlich dazu beitragen, dass aus einer internationalen Fachkraft ein langfristig gut integriertes Teammitglied wird.
Vom Arbeitsplatz zum Lebensmittelpunkt
Besonders wichtig wird die Willkommenskultur, wenn internationale Fachkräfte nicht allein nach Deutschland kommen.
Kommt beispielsweise eine Familie mit, spielen nicht nur Arbeitsplatz und Gehalt eine Rolle. Auch Wohnraum, Kinderbetreuung, Schulen, Freizeitangebote und soziale Kontakte können entscheidend dafür sein, ob sich eine Familie dauerhaft in der Region wohlfühlt.
Für Unternehmen bedeutet das: Wer internationale Fachkräfte langfristig binden möchte, sollte nicht ausschließlich auf den Arbeitsvertrag schauen.
Unterstützung bei praktischen Fragen kann einen großen Unterschied machen.
Dazu können beispielsweise Informationen oder Kontakte zu folgenden Themen gehören:
- Wohnungssuche
- Behörden und notwendige Formalitäten
- Mobilität
- Kinderbetreuung
- Schulen
- Sprachkursen
- Freizeitangeboten
- Vereinen und sozialen Kontakten
Nicht jedes Unternehmen muss dafür eigene Angebote entwickeln. Häufig reicht es bereits, regionale Ansprechpartner und bestehende Unterstützungsangebote zu kennen und neue Mitarbeiter gezielt darauf hinzuweisen.
Internationale Mitarbeiter langfristig binden
Die eigentliche Herausforderung beginnt häufig nach der erfolgreichen Einstellung.
Denn auch internationale Fachkräfte können ein Unternehmen wieder verlassen, wenn Erwartungen dauerhaft nicht erfüllt werden.
Deshalb sollte Mitarbeiterbindung von Anfang an mitgedacht werden.
Dazu gehören unter anderem:
Klare Perspektiven
Mitarbeiter möchten wissen, wie sich ihre berufliche Zukunft entwickeln kann. Weiterbildung, zusätzliche Verantwortungsbereiche oder Aufstiegsmöglichkeiten können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Gute Führung
Gerade in der Anfangsphase ist eine erreichbare und verlässliche Führungskraft wichtig. Regelmäßiges Feedback schafft Orientierung und ermöglicht es, Probleme frühzeitig zu erkennen.
Zugehörigkeit
Wer sich als Teil des Teams fühlt, baut eher eine langfristige Verbindung zum Arbeitgeber auf. Gemeinsame Aktivitäten, persönliche Gespräche und eine offene Unternehmenskultur können dazu beitragen.
Anerkennung
Internationale Fachkräfte kommen nicht ausschließlich wegen eines Arbeitsplatzes. Wertschätzung für ihre Fähigkeiten, Erfahrungen und ihren persönlichen Beitrag ist daher ebenso wichtig wie bei allen anderen Mitarbeitern.
Typische Fehler bei der Integration internationaler Fachkräfte
Trotz guter Absichten können Unternehmen bei der Integration Fehler machen.
Ein häufiger Fehler besteht darin, die Verantwortung vollständig an die neue Mitarbeiterin oder den neuen Mitarbeiter abzugeben.
„Sie können sich bei Fragen jederzeit melden“ klingt zunächst freundlich. In der Praxis wissen neue Mitarbeiter allerdings häufig nicht, welche Fragen sie überhaupt stellen können oder an wen sie sich wenden sollen.
Besser sind konkrete Strukturen und Ansprechpartner.
Auch eine einmalige Willkommensveranstaltung reicht nicht aus. Integration ist ein Prozess, der sich über Wochen und Monate entwickelt.
Ein weiterer Fehler besteht darin, ausschließlich die fachliche Qualifikation zu betrachten. Gerade bei internationalen Bewerbern sollten Unternehmen zusätzlich überlegen, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit die fachliche Kompetenz auch tatsächlich im Unternehmen zur Geltung kommt.
Was Unternehmen im Allgäu jetzt konkret tun können
Eine Willkommenskultur muss nicht mit einem großen Projekt starten. Unternehmen können zunächst einige konkrete Maßnahmen umsetzen.
1. Definieren Sie einen festen Ansprechpartner.
Neue internationale Mitarbeiter sollten wissen, an wen sie sich mit organisatorischen und alltäglichen Fragen wenden können.
2. Strukturieren Sie die ersten Wochen.
Ein Einarbeitungsplan mit klaren Schritten gibt Orientierung.
3. Kommunizieren Sie Erwartungen eindeutig.
Aufgaben, Arbeitszeiten, Zuständigkeiten und Abläufe sollten verständlich erklärt werden.
4. Binden Sie das Team ein.
Integration funktioniert besser, wenn nicht nur die Personalabteilung, sondern auch Kollegen und Führungskräfte beteiligt sind.
5. Denken Sie über den Arbeitsplatz hinaus.
Informationen zur Region, zu Wohnmöglichkeiten, Mobilität, Betreuung oder Freizeit können den Start erheblich erleichtern.
6. Führen Sie regelmäßige Gespräche.
Fragen und Schwierigkeiten lassen sich häufig frühzeitig lösen, wenn Unternehmen aktiv nachfragen.
7. Machen Sie Ihre Arbeitgebermarke sichtbar.
Internationale Fachkräfte müssen ein Unternehmen kennenlernen können, bevor sie sich für eine Bewerbung entscheiden.
Sichtbarkeit wird für Arbeitgeber im Allgäu immer wichtiger
Je stärker Unternehmen um Fachkräfte konkurrieren, desto wichtiger wird die Frage, wie ein Arbeitgeber wahrgenommen wird.
Eine gute Arbeitgebermarke entsteht nicht allein durch Benefits oder eine moderne Karriereseite. Entscheidend ist ein authentisches Bild davon, wie das Unternehmen arbeitet, welche Werte es vertritt und was Mitarbeiter dort erwartet.
Gerade für internationale Fachkräfte ist eine glaubwürdige Außendarstellung besonders relevant. Sie können den Arbeitgeber nicht aus dem persönlichen Umfeld kennen und müssen sich deshalb stärker über digitale Informationen orientieren.
Hier können authentische Unternehmensporträts, Einblicke in den Arbeitsalltag, aktuelle News und konkrete Stellenangebote einen wichtigen Beitrag leisten.
Auch regionale Sichtbarkeit schafft Vertrauen.
Das digitale Allgäuer Wirtschaftsmagazin bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Geschichte, Leistungen, Jobs und Besonderheiten online sichtbar zu machen und damit potenzielle Kunden und Bewerber in der Region zu erreichen.
Gerade die Verbindung aus regionaler Nähe und digitaler Auffindbarkeit kann für Arbeitgeber interessant sein. Unternehmen können zeigen, wer hinter dem Betrieb steht, welche Menschen dort arbeiten und welche beruflichen Möglichkeiten bestehen.
Der Arbeitsmarkt im Allgäu wird internationaler
Der zunehmende Fokus auf internationale Fachkräfte ist keine kurzfristige Recruiting-Maßnahme. Für viele Unternehmen wird daraus eine strategische Aufgabe.
Der regionale Arbeitsmarkt bietet weiterhin großes Potenzial. Gleichzeitig reicht dieses Potenzial für manche Unternehmen nicht mehr aus, um ihren gesamten Personalbedarf zu decken.
Internationale Fachkräfte können deshalb eine wichtige Ergänzung sein.
Entscheidend ist jedoch der Perspektivwechsel: Es geht nicht nur darum, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Es geht darum, ihnen einen guten Start und langfristige Perspektiven im Allgäu zu ermöglichen.
Dafür braucht es keine perfekte Strategie von Anfang an. Entscheidend sind klare Prozesse, persönliche Ansprechpartner, eine offene Unternehmenskultur und echte Unterstützung im Alltag.
Fazit: Wer Fachkräfte gewinnen will, muss willkommen heißen
Der Fachkräftemangel verändert das Recruiting im Allgäu. Unternehmen müssen neue Wege gehen, wenn sie qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und langfristig halten möchten.
Internationale Fachkräfte bieten dabei große Chancen. Gleichzeitig steigt die Verantwortung der Arbeitgeber, Integration aktiv zu gestalten.
Eine gelebte Willkommenskultur beginnt bereits beim ersten Kontakt und endet nicht nach dem ersten Arbeitstag. Sie umfasst Recruiting, Einarbeitung, Führung, Teamkultur und – wenn nötig – auch Unterstützung bei der Integration in die Region.
Gerade deshalb sollten Unternehmen das Thema nicht ausschließlich als Personalproblem betrachten. Internationale Fachkräfte können langfristig Teil der Unternehmenskultur und der regionalen Wirtschaft werden.
Wer heute internationale Talente gewinnen möchte, sollte daher nicht nur fragen: „Wie bekommen wir die Fachkraft zu uns?“ Die wichtigere Frage lautet: „Was können wir tun, damit sie gerne bei uns bleibt?“
Für Arbeitgeber im Allgäu kann genau darin ein entscheidender Wettbewerbsvorteil liegen.






